• Schaffä, schaffä, Häusle bauä

    Oder, wenn Einfaches zur Schwierigkeit wird.
    Das Haus hat uns sofort gefallen. Mir auch der Ort wo es steht. Direkt am Fluss, das heisst also, ich kann über Wasser schauen und das war ja immer schon mein Wunsch. Zudem, Raquel hat eine halbe Stunde mit dem Auto in’s Büro. In Asunción mit den „öffentlichen“ Verkehrsmitteln, war’s beinahe eine Stunde.
    Mücken??? Eine Stunde pro Tag bei Sonnenuntergang ist’s heftig, danach wie überall in Paraguay.
    Nach einigen Wochen der Beratungen, ein paar dutzend Besuchen, tagsüber, in der Nacht, am Abend, bei Regen und Sonnenschein, waren wir uns einig, hier lässt es sich leben. Für beide. Also haben wir das Haus am Fluss gekauft. Ich würde es Casa Raquel nennen, aber Frauen benamsen ja lieber Autos, so heisst’s eben einfach Haus.
    Was uns beiden nicht so gefallen hat, war der Fussboden. So was rotes, scheinbar billiges, sah aus wie polierte Ziegelsteine. Ich wollte zudem einen schönen Quincho (Gartensitzplatz mit Grill) unter einem Strohdach mit einem rustikalen, grossen Tisch und einem Grill in dem man sogar ein Spanferklechen braten könnte. Dazu kam, dass das Haus trotz beinahe 300 qm unter Dach nur ein Schlafzimmer hatte.
    Was also, wenn dann wirklich einmal Besuch aus der Schweiz kommt? Meine Tochter zum Beispiel?? Hoffentlich macht ja doch der eine oder andere Freund und Bekannte seine „Drohung“ war und besucht mich. Unwahrscheinlich zwar, aber: Was dann?? In’s Hotel damit??? In die Stadt?
    Auf dem Plan des Hauses waren zwei zusätzliche Schlafzimmer im ersten Stock gezeichnet, als zukünftiger Ausbau. So wurde also der Entschluss gefasst, zwei Schlafzimmer anzubauen, den Fussboden auszuwechseln und einen Quincho mit Strohdach aufzustellen.

    Hier in Paraguay gibt’s wie überall auf der Welt eine Fraktion der Alles- und Allesbesserwisser. Diesen ist dieser Absatz gewidmet. Pausenlos bombardieren sie die Welt mit Ratschlägen, bis, jaaaaaaa bis man wirklich einen Ratschlag braucht. Dann ist schluss mit lustig. Wie überall auf der Welt eben. So bleibt einem zum Schluss immer nur dasselbe, selbermachen, selbersuchen, selberverantworten. Und sich danach die Sprüche der Allesbesserwisser anhören. Vielleicht ersticken sie ja mal daran.
    Punkt

    Wir beide sind nicht vom Bau, also kann uns schnell jemand etwas vorschwindeln. So kamen wir zum Schluss, dass es nicht allzuviel fruchtet, wenn ich konstant auf der Baustelle bin. Ich könnte höchstens grössere Saufereien verhindern. Raquel musste sowieso arbeiten. Also haben wir unsere Wünsche auf Papier gebracht und einige Architekten und Baumeister um Kostenvoranschläge gebeten. Die Bandbreite dieser vorgeschlagenen Kosten bewegte sich zwischen 10‘000.- bis ca 45‘000.- US$. Wir sind dann rumgefahren und haben uns Arbeiten dieser Herren und zweier Damen zeigen lassen.
    Gleichzeitig haben wir uns auch über Termine Gedanken gemacht. Schön wär’s doch, wenn wir im Frühling einziehen könnten. Frühling ist hier im September. (Ich kann im Herbst meines Lebens meinen Geburtstag im Frühling feiern. Auch schön).
    Unser Projektchen kann für Profi’s unmöglich ein grosses Problem darstellen, dachten wir uns und haben uns für einen Architekten, (Carlos Saldívar) entschieden. Jener hat gegenüber unseres gemieteten Domizil’s eine 900 qm Villa aufgestellt. Mit einem gut 3000 qm grossen Garten dazu und das in einer besten Wohngegenden Asuncións. Das Häuschen hat mehr als eine 350'000 Doláres gekostet, ohne Umgebungsarbeiten. Und an die Besserwisser Fraktion: Nein, es waren keine Ausländer die dieses Haus aufstellen liessen, sondern die doch so armen, ständig am Hungertuch nagenden, hilfebedürftigen Paraguayos. Würden die etwas von der 500€ Diskussion wissen, die würden sich königlich amüsieren. Zudem ist der gute Architket Mitglied des Club Centenario und das heisst von Haus aus eigentlich, dass genügend Geld vorhanden sein sollte, um eventuelle Garantien zu übernehmen. So war’s dann auch, er gab uns 5 Jahre Garantie auf die Arbeit die er leisten würde.
    Ende April gins also los mit der Umbauerei. Ich flog zurück in die Schweiz, wie vereinbart, der Architekt kümmerte sich um den Bau, Raquel kontrollierte Samstags. Soweit die Theorie.
    Bereits nach drei Wochen Bauerei, beobachtete unser Hausmeister die ersten Risse im Mauerwerk des bestehenden Hauses und berichtete darüber. Raquel fuhr hin und stellte den Architketen zur Rede.
    „Kein Problem“, posaunte der, „das wird mir einer speziellen Zementmischung abgedichtet und alles ist wieder im Butter.“
    Ich erfuhr per Email davon und wollte wissen, ob der Señor denn nicht erst mal den Unterbau geprüft und eventuelle Stützbauten angebracht habe, so wie er mir es auf mein Drängen versprochen hatte.
    Doch, doch, schrieb er zurück. Mach Dir keine Soirgen, alles ist in Ordnung.
    Noch ne Woche später fand Raquel bei der Samstäglichen Kontrolle, dass der obere Teil der Mauer doch irgendwie leicht schräg stand. Der Architekt beruhigte sie, das komme davon, dass der Zement eben noch nicht trocken sei. Das ändere sich dann schon. Eine Woche später hatte die Mauer dieselbe Kurve.
    „Immer noch nicht trocken?“ Fragte Raquel. „Kann doch nicht sein.“
    Jetzt wurde der Bau einer ernsteren, laienhaften Prüfung unterzogen. Dabei fand Raquel einen Riss in der Aussenmauer zwischen des alten und des neuen Hausteils von beinahe 2 cm breite und etwa 3 Metern Länge. Empört stellte sie den Architekten zur Rede. Der meinte lapidar: „Sie sind nicht mein Vertragspartner sondern Señor Albert und solange der sich nicht beschwert, ist alles in Ordnung.“
    Mir blieb also nichts übrig, als dem Kerl eine „diplomatische“ Mail zu schicken und ihn aufzufordern, die Schäden zu beheben, bevor weiter gebaut würde.
    „Jaaaaa,“ meinte der, "machen wir, kein Problem, kostet Dich einfach etwas.“
    „Nein,“ entschied ich,“ das geht auf Deine Kosten und verwies auf einen Paragraphen im Vertrag.“
    „Ich hab kein Geld“, sagte er und verlangte gleichzeitig weitere Zahlungen.
    Wieso hat der kein Geld? fragten wir uns. Der hat doch eben erst diese Riesenhütte aufgestellt und dürfte da doch kräftig abgesahnt haben.
    In Paraguay gibt’s auch ein Asukunftssystem, ähnlich der deutschen Schufa oder des schweizerischen Betreibungsamtes. Also haben wir da mal angefragt und erhielten prompt Antwort.
    Unser „guter“ Architekt ist mit 200‘000‘000 PGY’s in der Miese. Das sind dann gut 50‘000 US$. Irgendwie hat er sein Geld recht gut versteckt. Garntiezahlungen??? Pustekuchen
    Jetzt wurde es erst recht lustig. Ich rief ihn aus der Schweiz an und sagte ihm, dass ich ab sofort keine Zahlungen mehr leisten würde, wenn er nicht erst auf SEINE Kosten die Schäden repariert. Daraufhin stellte er die Arbeiten mit sofortiger Wirkung ein und verlangte, gemäss Vertrag ein Schiedsgericht. Demnach sollten beide Parteien einen Architekten oder einen Konstrukteur mit der Begutachtung des Bau’s betrauen und einen Bericht einfordern. Termin des Schiedsgerichtes sei der 14. Juli.
    Und ich sitze immer noch in der Schweiz.
    Erst mal musste ich meine Chefin in der Schweiz verärgern, indem ich ihr mitteilte, dass ich so schnell wie möglich nach Hause müsse. Danach ging’s zur TAM um den Flug umzubuchen. Am 12 Juli kam ich in Asunción an.
    Raquel hatte in der Zwischenzeit einen anderen Architekten aufgetrieben, der hat sich an die Arbeit gemacht und einen Bericht geschrieben, der uns ziemlich erschüttert hat.
    Erstens wurde der Ausbau in keiner Weise abgesichert. Der Unterbau wurde mit viel zuviel Gewicht belastet und gab diesem Gewicht nacht. Daher die Risse in der Mauer.
    Zweitens wurden Materialkosten verrechnet von Materialien die das Haus nie erreicht haben.
    Drittens wurden Personalkosten verechnet, die nicht bezahlt und auch nicht geleistet wurden.
    Im Bericht wurde das Wort Betrug zwar nicht explizit erwähnt, aber der Prüfer sprach davon.
    Gespannt warteten wir also am 14. Juli 0900 auf unseren Architketen und den dazugehörenden Schiedsrichter seinerseits. Gegen Mittag rief ich den Herrn Saldivar an. Erst mal war das Kerlchen doch deftig überrascht, dass ich mich in Paraguay befand. Das schien sein grösstes Problem zu sein.
    „Natürlich komm ich sofort zu Dir auf den Bau,“ meinte er. Sofort, das bedeutete am Dienstag den 15. Juli, weil er nicht vorbereitet sei.
    „Warum?“ Fragte ich ihn. „Du hast doch den 14. Juli als Termin genannt.“
    „ Pues, ich bin grad irgendwo ausserhalb Asuncións“, sagte er.
    Ich auch.... Nur, das nutzte nichts. Also haben wir unseren Schiedsrichter gebeten, doch am nächsten Tag nocheinmal mitzukommen.
    Am 15. Juli, 0900 wie verabredet warteten wir vor unserem Haus. Allein, natürlich, das heisst, ohne „gegnerischen“ Architekten. Um 1000 rief ich ihn an. „Ich weiss ja, dass in Paraguay die Uhren anders gehen“, meinte ich, „aber nicht um Stunden. Wo bist Du???“ „Auf dem Weg“, meinte er und tatsächlich gegen elf traf er auf der Baustelle ein.
    Zur Erinnerung, vom Haus bis in die Stadt sinds 30 Minuten.
    Er kam mit allen seinen Handwerkern, aber ohne Schiedsrichter. Erst hielt er uns eine Rede über die Ehrlichkeit und Verantwortungsbewusstsein generell, danach erklärte er uns das weitere Vorgehen. Erst sollte jede Partei einen Schiedsrichter stellen und falls die beiden nicht zu einer Einigung kämen, müsste ein Gericht einen Schiedsrichter stellen, der dann das weitere Vorgehen vorschlagen könne.
    „Hast Du das nicht schon vor gut einem Monat erklärt???“ Fragte ich ihn. „Hier ist unser Schiedsirchter und hier ist sein Befund. Wo sind Deine Hausaufgaben??“
    Unser Schiedsrichter hat sich fürchterlich aufgeregt, man hat es ihm angesehen. Er meinte, dass unser Architekt wohl besser mit seinem Maul als mit seiner Arbeit sei. Dies hat den den anderen wieder aufgeregt und bevor es zu Handgreiflichkeiten zwischen den beiden Architekten kam, musste ich als Schiedsrichter eingreifen. Lustige Situation, ein Schweizer, der eigentlich nur seinen Frieden sucht, muss sich zwischen zwei streitende Paraguayos stellen. Gut hab ich ein „wenig“ (über)Gewicht.
    Die Gemüter allerdings beruhigten sich nicht wirklich, erst recht nicht nachdem wir unserem „guten“ Architekten seine Arbeit vorführten. Seine Handwerker standen schön belämmert in der Gegend, speziell der Maurer, als wir ihm seine Arbeit mit der Wasserwaage zeigten. Auf ca. 2 Meter Höhe hat der es geschafft, 8 (acht) centimeter Schräge einzubauen. Ich hab, wie man weiss, zwei linke Hände und fünf Daumen an jeder Hand, aber so nen Scheiss hätte sogar ich hingekriegt. Ich wollte vom Elektriker wissen, wie man Leitungen verlegen kann in einem Haus, das noch kein Dach hat. Sein schuldbewusstes Lächeln hätte man fotografieren sollen.
    Was nutzt’s. Niemand hat Geld, seinen angerichteten Schaden selbst zu bezahlen. Wir müssen also weiterschauen. Nur, weder Raquel noch ich haben jemals einen Bau aufgestellt. Und wie gesagt, die nationenunabhängige Besserwisser Fraktion weiss nur im Nachhinein alles besser. (Dieses Gen hätte ich gern, immer alles besser zu wissen und zu können.... ist wahrscheinlich eine Gabe Gottes)
    Jetzt ging’s erst mal zum Anwalt und zur Escribana. Können wir den Vertrag mit dem Architkten Saldivar auflösen? Und wie geht das.
    „Unser“ Anwalt ist Teil der Familie. Logisch, Raquel’s Vater war schon Militärrichter also gibt’s den einen oder anderen der juristischen Guilde in der Familie. Dieser hier war ein Cousin und sogar Senator, was immer dies dann auch bedeutet. Nachdem er unsere Geschichte gehört hatte, fragte er erst mal nach dem Namen das Architekten.
    „Carlos Saldivar“, sagten wir und schauten dann in zwei ungläubige Augen.
    „Schon wieder“, meinte Raquels Cousin und schaute dann seinerseits in zwei staundende Augenpaare.
    „Na ja“, meinte er, „ich kenne seinen Bruder, der ist auch Anwalt und war mit mir im Senat bis zu den Wahlen. Wir sind dann beide nicht mehr zur Wiederawahl angetreten, nutzt ja eh nichts,“ meinte er. „Und bevor wir in die politische Diskussion abdriften, ich werde mit ihm reden, vielleicht nutzt’s ja was.“
    „Was heisst denn: schon wieder?“, wollte ich wissen.
    „Lass es und frag nicht“ meinte der Cousin.
    Gut, halt ich s’Maul. Kann ich auch.
    Eine Woche später rief Cousinchen uns an und meinte:
    „ Den müsst ihr ja fürchterlich verärgert haben, er will nicht mal mit mir sprechen, schaut selber weiter, als Anwalt könnte ich Euch helfen, als Cousin nicht.“
    „Schon gut, aber was kann ich tun um weiterzubauen??“
    „Erstens musst Du ihm eine Mängellsite erstellen, danach musst Du ihm Zeit geben, die Mängel zu beheben. Nur wenn er dieser Aufforderung nicht nachkommt, kannst Du ihm die Kündigung des Vertrags androhen und dann später auch kündigen.
    „Die Mängelliste haben wir dem Gauner schon am 15. Juli in die Hände gedrückt, er hat sogar den Erhalt unterschrieben.“
    „Que bien, so kannst ihm ein Telegramm über eine Escribana schicken und ihn auffordern, sich innert 24 Stunden auf der Baustelle einzufinden. Falls er nicht kommt, kannst Du kündigen“
    So haben wir das denn auch gemacht. Klar ist der Kerl nicht aufgetaucht und so haben wir den Vertrag gekündigt.
    Natürlich war das nicht ganz so einfach wie’s klingt, aber es ist im Nachhinein gar nicht so einfach das einfach zu erklären. Auf jeden Fall wurde der Vertrag aufgelöst und zum Schluss hat der Herr Saldivar das Ganze auch akzeptiert. Er verlangte zwar nach wie vor über 20 Millionen an Zahlungen, aber wir müssen das, nach Auskunft des Anwalt Cousinchens mindestens, vorläufig nicht beachten. Schaumermal was da weiter passiert..
    Der Verlust beträgt ca. 10‘000‘000.- PGY’s, also ca 4‘500 US$. Dazu die Zahlungen an die Handwerker, die zwar verrechnet, aber nicht bezahlt wurden. Aber, ab dem 6. August waren wir berechtigt, weiterzubauen. Ab diesem Tag verlagerte sich der Herr Architekt Saldivar vom Hauptproblem auf einen Nebenschauplatz.
    Erstes Problem also, wie stützt man ein aufgebautes Stockwerk im Nachhinein ab?? Gut haben wir hier gute Freunde, die nicht der Rechthaberfraktion angehören und wie’s so ist, der Eine kennt den Anderen und der wiederum einen Dritten. So haben wir einen Beton-Speziallisten gefunden. Der kam hin, schaute sich das Ganze an und meinte: „ Der Bauleiter gehört auf den Mond geschossen, so was sieht doch ein Laie“.
    Ja, stimmt, ich hab’s gesehen, aber wie kann ich ohne Rechthaber Gen.... Schon gut, lassen wir das.
    15 Millionen, also fast 4‘000 CHF kostete es, den zweiten Stock mit 6 Pfeilern und 6 Betonbalken abzustützen. Dafür würde es mir auch bei einem nicht zu ertwartenden Hurrican über dem Kopf einstürzen.
    „Wie lange dauert das?, wollten wir wissen.
    „ Kommt drauf an, wieviel Männer ich von der anderen Baustelle abziehen kann“
    Die andere Baustelle war ein Showroom von Mercedes. Wie soll ich da konkurrieren???
    „Du bist mir sympathisch und bevor Du den Glauben an alle Paraguayos verlierst, ich mach’s in 10 Tagen“
    Hat er auch eingehalten, genau zehn Tage nach Baubeginn war er fertig damit. Jetzt „ziert“ ein Pfeiler unsere Parkplatzeinfahrt. Entweder darf ich niemehr besoffen nach Hause kommen, oder ich schmücke das Ding mit einer Matrazze.
    „Jetzt muss der Beton noch ein Woche trocknen“.
    Gut haben wir noch andere Arbeiten. Über andere Freunde haben wir eine Baukollone organisieren können, die uns den Fussboden auswechselt, das Dach deckt und den Rest der Arbeiten erledigt. Hoffentlich.
    Aus zwei Schlafzimmer wird jetzt des Gewichtes wegen nur eines, das zweite wird zur Terrasse. Sicher auch schön.
    Zum heutigen Zeitpunkt sieht’s so aus, als ob wir in einer Woche umziehen. Ein Teil des Hauses steht, der Rest kann auch gebaut werden wenn wir da schon wohnen. Verdient hätten wir’s, dass letzlich alles gut endet.
    Für den Betrag den wir jetzt schlussendlich bezahlt haben, um EIN Schlafzimmer anzubauen, den Boden auszuwechseln und den Quincho aufzustellen, hätte die Rechthaberfraktion ein komplettes Haus gebaut. Zwar vom Stil in den man, Zitat:“nicht tot über dem Zaun hängen möchte“, aber eben, besser, schöner, grössesr, billiger , schneller, usw...

    Warum ich mich so über diese Rechthaber auslasse???? Weil die mir gestohlen werden können. Ich liebe die nicht perfekten Menschen, mit Fehlern, Ecken und Kanten, die auch mal eine fünf grade sein lassen können, die in der Lage sind, andere zu akzeptieren, zu respektieren und die das Maul halten, wenn sie nichts positives zur Situation beitragen können. Diejenigen die wissen, dass Ratschläge sind auch Schläge sind... Hoffnungslos wahrscheinlich.

    Dies ist vielleicht mein letzter Eintrag in meinem Blog. Per 1. September habe ich den Vertrag mit der Internet Gesellschaft gekündigt. In den nächsten Monaten werde ich noch weniger im Netz sein als jetzt. Das Haus wird sicher nie fertig, ich werde also immer was zu tun haben und das mit meinen zwei linken Händen. Vielleicht melde ich mich in einigen Monaten wieder zurück, vielleicht auch nicht. Meine Freunde kennen meine Handy Nummer und können sich so melden. Ein bis zweimal im Monat werde ich in ein Internet Kaffee gehen und mal Post nachschauen. Wird wohl kaum jemand schreiben. Ich hoffe, diejenigen empfangen zu dürfen, die Besuch versprochen haben, ich hoffe, mal einfach so angerufen zu werden.
    Bärchen Balu zieht sich in die Höhle zurück, wie er das eigentlichgewünscht hat.
    Wünscht mir Glück
    Adios que siempre tengan mucha suerte, salud, amor y dinero.

  • Der Alltag hat mich wieder

    Kalt ist’s geworden und zwar über Nacht. Gestern Nacht gegen 2100 fegte ein starkes Gewiter über Asunción, sogar mit Hagel. Etwa erbsengrosse Eisstücke schossen vom Himmel. Heute Morgen sitze ich jetzt zwar an meinem Lieblingsplatz und trinke Kaffee, aber nicht wie üblich in Shorts und T-Shirt, sondern in Jeans und Trainerjacke. Etwas Gutes hat so ein Gewitterchen aber doch, die Luft ist so sauber wie schon lange nicht mehr.
    Seit Samstag haben wir zwei Familienmitglieder mehr. Da ich ja guten Mutes bin, ab August in mein Haus am Fluss umziehen zu können, mit mehr Umschwung als hier in der Stadt, haben wir uns entschlossen, nochmals einen Hund zu kaufen. Es sollte so ein Zwischending zwischen einem Wachhund für das Haus und einem Schosshund für Raquel sein. Gibt’s aber nicht. Aber gut Schweizerisch eben, man kann ja das eine tun und das andere nicht lassen, haben wir zwei Hunde gekauft. Bagheera, eine Flia Brasilerio als Wachhund und Mogli, einen Polizeihund für gelöste Fälle, sprich Yorkshire Terrier für Raquel. Sie kann nicht warten mit dieser Handvoll Hund zum Hundefriseur zu gehen um ihm eine Masche in’s Fell zu verpassen. Und ich kann nicht warten, um Bagheeras Gelächter zu hören, wenn Mogli dann so nach Hause kommt. Im Moment sind die beiden unzertrennlich.

    Bagheera & Mogli

    Balu, meinem Rottweiler Baby geht’s gut bei seinen neuen Besitzern. Er ist natürlich gewachsen und soll jetzt in einem Teenageralter sein und sich dementsprechend aufführen. Hundepubertät oder so.
    Gestern hab ich doch tatsächlich die erste Busse bezahlt. Das heisst, beinahe. Wie in Paraguay so üblich, gab’s eine Offerte zur Abkürzung des Verfahrens. 10 vor 10 bin ich an der Plaza Urugaya vorgefahren, 10 nach 10 war das Rad bereits blokiert. Die beiden Polizisten, ein Weibchen und ein Männchen hatten den Bussenblock zwar aufgeklappt, aber noch nichts geschrieben. Erst mal wird blockieren, dann schaumer weiter.
    280‘000 PGY sei die Busse, meinte das Männchen. (ca 70.- CHF)
    OK, meinte ich, wo bezahlen?
    Er gab mir eine Adresse an, ca 1 km weiter die Strasse runter.
    Gut sagte ich, gib mir bitte den Zettel da.
    Warum denn??? So erstaunt hab ich selten jemanden gesehen.
    Na ja, ich kann ja schlecht einfach auf Deine Zentrale gehen und sagen, der Herr Rodriguez schickt mich hier eine Busse zu bezahlen. Ausserdem brauche ich dann doch die Quittung um den Block hier am Auto wieder los zu werden.
    Das kann aber einige Tage dauern, bis der Block wieder weg ist, meinte das Weibchen
    Gut , sagte ich, besser und sicherer parkiert ist das Auto nirgendwo, als mit eurem Block, oder???
    Irgendwie tat mir vor allem das Weibchen leid, sie hat sooooo mit einem Zusatzeinkommen gerechnet. So wie sie ausschaute wollte sie wahrscheinlich zum Friseur. Wahrscheinlich drum fragte sie mich dann auch, ob ich eine Quittung bräuchte.
    Nein, meinte ich, warum??
    Pues, wenn ich keine Quittung bräuchte, könnte man es auch billiger haben.
    Ach?? Wieviel denn billiger,
    Das sei mir überlassen, meinte daraufhin das Männchen.
    Nun, ich hab grad etwas um 80'000 bei mir.
    Ungläubiger Blick auf der Gegenseite, zwei Augenpaare die mir wohl sagen wollten, dass das unmöglich alles sein könne.
    Als ich dann allerdings meine Brieftasche aus der Tasche ziehen wollte, winkten beide sofort ab.
    Bist Du verrückt?? Du kannst doch nicht mitten auf der Strasse Deine Brieftasche zücken.
    Warum denn nicht?? Ihr glaubt mir ja nicht, dass ich nicht mehr Geld hab.
    OK,OK, meinte daraufhin das Weibchen, geh einen Block weiter und warte dort auf mich,
    Betont langsam trottete ich an die Ecke des Park. Ihre Handbewegung war eindeutig. Noch weiter! Aber ich schüttelte den Kopf. Ich wollte mein Auto im Blick haben, wollte sehen, ob der Block auch tatsächlich enfernt würde. Dem war denn auch so und auf dem Rückweg zum Auto drückte ich dem Männchen die 80 tausend in die Hand, zusammen mit dem Strafzettel. Ob ihr’s glaubt oder nicht, er wünschte mir sogar noch einen schönen Tag.
    Den hatte ich denn auch.....

  • Wieder zurück

    10 Wochen lang war ich in der Schweiz und habe versucht zu arbeiten. Versucht heisst soviel wie, ich wär bereit gewesen, leider hatte es zuwenig zu tun und so bin ich eben zwei Wochen früher zurück.
    Richtigerweise ist’s natürlich nur der zweite Grund, der Erste ist ein Fehler meinerseits. Fehler sollen ja Investitionen in die Zukunft sein, als hab ich mal kräftig investiert.
    Wir wollten zwei Schlafzimmer und ein zusätzliches Badezimmer anbauen lassen. Das hätte, so hat man mir glaubhaft versichert, jeder halbwegs vernünftige Bauhandlanger hingekriegt, aber ich wollte mich ja so wenig wie möglich drum kümmern, also hab ich einen Architekten engagiert. Der hat nun zwar richtig hingelangt wo’s um’s zahlen ging, aber am Bau glänzte er hauptsächlich durch Abwesenheit. So haben die Baumenschen eben auf ein bestehendes Hausteil Mauern draufgebaut, natürlich ohne erst mal das drunter abzusichern. Dazu haben sie natürlich Material der minderen Qualität gekauft, mir aber das teurere verrechnet. Hier allerdings haben sie die Rechnung ohne Raquel gemacht. Sie hat die Rechnungen kontrolliert, sich bei den Verkäufern und anderen Firmen erkundigt und so rausgefunden, dass der Architekt da deftig gemauschelt hat. Zu seinen Gunsten natürlich. Raquels Reklamation hatte sofortigen Baustop zur Folge und einen beleidigten Archtiekten als Nebenprodukt. Kollateralschaden sozusagen. Wütend hat er eine Aussprache verlangt. Am Montag war diese zwischen ihm und Raqel dann fällig. Seine Augen sind dann aber doch auf die Grösse von Suppentellern angeschwollen, als er mich gesehen hat. Als ob ich so hässlich wäre. Das dies erst am Dienstag morgen der Fall war gehört in die Kategorie Detail Paraguayo. Nachdem er sich die Vorwürfe nun nochmals angehört hat, ist er wortlos verschwunden. Durch seinen Bauleiter liess er ausrichten, er werde uns bis beweisen wofür er das Geld gebraucht hätte und bis auf den letzten Guaranie abrechnen.Schaumer mal, in der Zwischenzeit ruht der Bau.
    Mir ist absolut kein Fall bekannt, wo irgendwas und sei es eine Hundehütte ohne Schwierigkeiten hätte gebaut werden können. Von da her nehme ich das gelassen, auch wenn ich da einige Tausender verloren habe. (Mit Verlust habe ich ja von Anfang an gerechnet) Was mir an der Geschichte nicht ganz in den Kopf will, Warum kann kein Bau ohne Probleme gebaut werden?? Sind die Bauherren so pingelig oder die Baumenschen das fehlende und gesuchte Verbindungsglied zwischen dem Homo Sapiens und den Affen?
    Es liegt einiges an Arbeit vor mir und verklagen kann man den Architekten auch nicht. Erstens bin ich Ausländer, also von daher schon auf verlorenem Posten, andererseits wissen wir zwischenzeitlich auch, dass der Kerl so um die 500‘000 CHF Schulden hat und jene Menge klagen am Hals. Keine guten Aussichten also.
    Jetzt hoffe ich mal, das der Superwinter noch ein wenig anhält. Zur Zeit sitze ich mal wieder an meinem Lieblingsplatz. Die Sonne scheint, bleicher als im Sommer, aber so 32° bringt sie hin. In der Sonne wenigstens, hier am Schatten sind’s beängstigend kalte 24° Brrrr. Der Wind weht von Norden und schüttelt die Blätter von den Bäumen wie in Europa im Herbst. Und natürlich landen ausnahmslos alle Blätter Asuncions in MEINEM Pool. Die Wassertemperatur beträgt so um die 5 cm. Nichts mit reinhüpfen und putzen. Das Bier schmeckt in dieser Kälte auch nicht so, zum Glück gibt’s hier guten roten aus Chile und Argentinien.
    Prost! Wie’s am Bau weitergeht, demnächst in diesem Theater.

    Zum Schluss ein Gedicht:
    Wenn es draussen stürmt und wettert
    Der Papi auf die Mami klettert
    Wenn man friert auf den Toiletten
    Dann ist’s Winter, woll’n wir wetten

  • Der bittere Kampf um‘s süsse Wasser.

    Kurz nach Ostern habe ich ein Häuschen gekauft. Der Vorbesitzer hat ein älteres Ehepaar drin wohnen lassen. Pünktlich nach dem Kauf, das heisst drei Tage danach, meldete mir dieser Majordomus, dass kein Wasser mehr fliesse. Der Anruf bei der Wasserversorgungsstelle (Aguatería) ergab unangenehmes. Wenn ich Wasser haben wolle, müsse ich die Leitungen neu kaufen.
    Übersetzt also, ich muss die Voraussetzungen schaffen, damit mir eine Firma etwas verkaufen kann und danach selbstverständlich auch noch bezahlen.
    Was also soll mich daran hindern, einen Brunnen bohren zu lassen um mein eigenes Wasser zu haben? Das Haus steht 20 Meter neben einem Fluss, Grundwasser solte kein Problem sein, oder??
    In solchen Situationen fragt man sich erst mal: „wo bin ich??“
    Antwort: „In Paraguay“
    Also?? Kein Problem ist hier meist der erste Schritt zum Problem. Das Grundwasser in dieser Gegend sei hochgradig salzig, sagte man mir. Aber.... es gäbe doch diese Entsalzungsfilter, kosteten so um 1000$ Teuer, aber wenn man danach unabhängig von der staatlichen Wasserversorgung ist???
    Also los, Brunnen bohren. Das war dann tatsächlich auch kein Problem. Am selben Tag konnte ich schon ein Muster des Wassers in ein Laboratorium schicken lassen, um den Salzgehalt bestimmen zu können. Die Analyse ging überraschend schnell, schon am nächsten Morgen riefen die mich an und meinten, dass Wasser sei salzig wie Meerwasser. Weiss jemand wieviele Kilometer Paraguay vom Meer entfernt liegt?? Weit auf alle Fälle und ausgerechnet „mein“ Grundwasser muss so versalzen sein.
    Gesalzen dann auch die Rechnung, 8 Millionen für den Brunnen (ca. 1800 CHF) aber das zehnfache für den Entsalzungsfilter.
    Zurück auf Feld eins, das heisst, zurück zur Wasserversorgunsfirma. Diesesmal mit einem Nachbarn und dem Architekten, der den Um- und Ausbau des Hauses leitet.
    Jetzt plötzlich hiess es, Nur EINE Röhre müsse ich kaufen. Kostenpunkt ca 800‘000., also 180 CHF. Warum der Präsident dieser Firma mir denn zuerst einen ganzen Kilometer Wasserleitung auf’s Auge drücken wollte, wird wohl sein ewiges Geheimnis bleiben. An diesem Tag versprach er mir vor 8 (acht) Zeugen: „Wenn sie mir diese eine Röhre bringen, haben sie zwei Stunden später Wasser im Hause.“
    Das war am Samstag morgen. Montag früh ging’s also mit dem einzigen Klempner dieser Firma los, um diese Röhre und das Zubehör dazu zu kaufen. Montag Mittag sei das Material bei der Aguatería. Pünktlich um 1500 wurde das Material dann auch tatsächlich geliefert. 1500 plus zwei Stunden ergibt 1700.
    Ich hab nicht im Traum damit gerechnet, dass ich selben Tages Wasser im Haus haben könnte. Das war auch nicht der Fall. Dienstag Morgen 0800 stand ich wieder bei der Aguatería. Drei von vier Angestellten waren anwesend, logisch, der einzige Klempner nicht.
    „Ja wo issser denn???“
    „Der verteilt im Augenblick gerade die Rechnungen.“
    „Der Klempner???????“
    „Ja, das ist seine Aufgabe.“
    Na ja, ich bin in Paraguay, da läuft eben vieles anders. Eine Kassiererin darf die Kasse nicht verlassen, es könnte ja jemand kommen um Rechnungen zu bezahlen, die augenblicklich grad verteilt wurden. Was die Aufgabe der zweiten anwesenden Dame war, hab ich nicht rausfinden können, aber Terreré trinken ist sicher wichtiger, als Rechnungen zu verteilen.. Der Elektriker darf natürlich nicht weg, es könnte ja der Strom ausfallen. Oder sogar abgestellt werden, was bei nicht bezahlten Rechnungen von beinahe einem Jahr durchaus möglich sein könnte. Was er dann zu tun hätte, falls kein Strom mehr fliesse?? Dann müsse er den Chef benachrichtigen.
    Nicht nötig, mach ich jetzt.
    Der Chef liess nicht lange auf sich warten. Nachdem ich ihn an das zwei Stunden versprechen erinnerte, schritt er sofort zur Tat. Mutig zückte er sein Handy und rief den Klempner zurück. Der kam dann auch, missmutigstens auf dem Fahrrad ballancierend, damit er bei der geringen Geschwindigkeit nicht das Gleichgewicht verliere und machte sich an die Arbeit. Er werde wie ein Neger schuften, damit ich am Abend Wasser habe, meinte er. (Hier in Paraguay darf man dieses Wort noch gebrauchen, ohne sofort eine Rassismusklage irgendwelcher gestörten alten Weiber am Hals zu haben)
    Mittlerweile geschult im Umgang mit Paraguayanischen Versprechen, liess ich mich doch tatsächlich dazu verleiten, einen halbe Million als Prämie auszusetzen, falls am gleichen Abend Wasser in meinem Hause fliessen sollte. Solches ist einfach zu versprechen, denn wie geahnt, am Abend floss kein Wasser.
    Am Mittwoch dann aber schon, leider nur von oben. Es regnete und Regentage sind in Paraguay arbeitsfreie Tage. Zumindest dort, wo irgendein Ausländer sehnsüchtig auf die Erfüllung von Versprechen wartet.
    Am Donnerstag mussten dann erst die Schäden des Regens vom Vortage repariert werden. Das war zumindest die offizielle Begründung warum die Leitung immer noch nicht verbunden wurde. Wahrscheinlicher ist, dass man erst warten musste, bis der Boden trocknete. Zudem hatten meine „Geschäftspartner“ diesen Tage die Zeit, um endlich die Rechnungen zu verteilen. Nein, den Regentag hat man nicht dazu benutzt, wie gesagt, arbeitsfrei.
    Freitag, jaaaaa, Freitag abend soll ich Wasser in’s Haus geliefert bekommen.
    Samstag Morgen rief ich meinen Majordomus an und, logisch, kein Wasser. Ab in’s Auto und zur Wasserfirma. Dort begrüsste man mich wie eine längst angekündigte biblische Plage. Mit breitesten Grinsen gratulierte man mir zum erneuten Anschluss an die Wasserversorgung.
    „Hä?? Ich komm grad vom Haus, es fleisst kein Wasser“
    „Muss aber“, meinte der Klempner, „gestern Abend habe ich meine Arbeit beendet.“
    „Gut so, aber gibt’s dann noch ne Arbeit die getan werden müsste, um das Wasser auch im Hause zu haben??“
    Natürlich gab’s die. Nach dem ersten Tag des Unterbruchs, wurde der Anschluss der Leitung an die Wasseruhr stillgelegt. Diese Schraube wieder aufzudrehen sei nun nicht mehr seine Arbeit. Und für einen Anruf an den Majordomus hätte er eben keinen Kredit auf dem Handy.
    Aber, gut so. Mein Majordomus wusste wo und wie und nach mehr als einem Monat Unterbruch und einer Woche Kampf, floss doch wieder Wasser in den Tank.
    Die Uhren in Paraguay gehen eben anders und zwei Stunden können auch mal eine Woche sein. Oder noch länger.......
    Jetzt geh ich mal ab auf ein Bier in der Kneipe um die Ecke. Wann ich zurück bin???
    Na ja, in zwei Stunden ungefähr.....

  • Wahlen

    Meine Gastgeber wählen gerade, das heisst, es herrscht Wahlkampf im Lande. Am 20. April sollte der Zauber dann hoffentlich vorbei sein.
    Wahlkampf hier heisst erst einmal, dass in den TV Kanälen Paraguays hauptsächlich Wahlwerbespots der teilnehmenden Parteien gesendet werden, alle 30 Minuten unterbrochen von 20 Minuten anderer Werbung und 10 Minuten Film irgendwelcher Art.
    Natürlich versprechen alle Politiker das Blaue vom Himmel, jeder soll Arbeit haben (wer will schon Arbeit, sie wollen auch nur ein Einkommen), Krankengrundversicherung, Strom, Wasser gratis für die Armen (Grossartig, ich bin auch arm, mein Gärtner ist arm, mein Chauffeur ist arm, meine Putzfrau ist arm, also gratis leben, geil!!!!). Einer will eine Eisenbahnlinie bauen lassen, die Kandiatin der Regierungspartei einen Megaairport im Chacho (der Chaco liegt am Ende der Welt und 14 Tage weiter, das Puschlav ist dagegen eine Vorstadt Zürich‘s) oder eine sechspurige Strasse vom Flughafen bis in die Innenstadt, gesäumt von Bäumen usw. Fehlt eigentlich nur die öffentliche Schwangerschaftsgarantie und eine gratis Haarausfallversicherung.
    Täglich finden jetzt irgendwelche Demonstrationen für oder gegen irgendetwas statt. Die Regierungspartei nutzt ganz selbstverständlich Steuer- und andere öffentliche Gelder um die Hurraschreier lastwagenweise heranzukarren. Somit wird's natürlich ein wenig schwieriger in die Innenstadt zu fahren, aber lassen kann ich’s trotzdem nicht.
    Ganz lustig und spannend da einfach Beobachter zu sein. Meine Freunde und Bekannte gehen davon aus, dass die regierende Partei gewinnen wird. Nicht weil die so gut wären, sondern weil sie in den letzten 50 Jahren jede Wahl zu ihren Gunsten zu gestalten wussten. Ein Wahlbetrug sei keine Möglichkeit, sondern Gewissheit.
    In der grössten Tageseitung hier, ABC, werden die Colorados, eben die regierende Partei, deftig auf’s Korn genommen. Ihrer Kanditatin haben sie flugs den Namen Maia verpasst, nach dem gleichnamigen Elefanten im Zoo von Asunción. Jeden Tag werden in dieser Zeitung Missstände aufgedeckt, ohne das dies von der Bevölkerung zur Kenntnis genommen wird. Zumindest macht dies so der Anschein. Dem Präsidenten und einigen Senatoren werden mauscheleien finanzieller Natur in $ Millionenhöhe nachgewiese, die Checks in der Zeitung veröffentlicht, Reaktion der Bevölkerung??? Null, Asi nomas es. Es isch äso. Punkt.
    Heute steht auf der ersten Seite, dass die Nationale Telefongesellschaft, die auch ein Internet Netz betreibt, Webseiten der Opposition manuipuliert hat. Wenn man auf deren Seiten clickte, gelangte man auf die Seiten der Regierungspartei, oder sogar auf Pornoseiten. Ich habe den Artikel Raquel gezeigt, ihre Reaktion? Ein kurzes Lächeln, nicht mehr, Es ist eben so hier.
    Manchmal stell ich mir vor es wäre anders. Schweiz Südamerikas war mal der Name Paraguays. Aber zu Schweiz gehören auch Blocher, Mörgeli und gräserkauende Parteipräsidenten, astronomische Fleisch- und Lebensmittelpreise, Kälte und Regen, Verbote und Obligatorien..... Jede Medalle hat eben zwei Seiten und ich hab mich entschieden auf dem Rand der Medalle zu leben.
    Beobachten, Schnauze halten und geniessen. Ich bin immer noch ein Hamster, aber nicht mehr im Laufrad.
    Auch schön und jetzt ab in’s Wochenende.

  • Herbst

    Eigentlich wird mal mein Lieblingswort.
    Eigentlich sollte ich ja bei 40° im Schatten vor Hitze still und leise dahinschmelzen, aber nein, ich fühl mich sauwohl.
    Eigentlich sollte ich als kältegewohnter Schweizer 17° Morgentemperaturen doch angenehm empfinden, aber nein, ich frier‘ mir einen ab.
    Der Herbst hat hier Einzug gehalten. Über Tag klettern die Temperaturen noch auf knapp dreissig grad, nachts sinken sie unter zwanzig. Mittlerweile habe ich mir angewohnt, den Pool zu putzen ohne in’s Wasser zu gehen. Klimaanlage ist zu einem theoretischen Begriff verkommen. Raquel lacht mich aus, SIE klagt immer noch über die Hitze, während ich mir morgens und nach Sonnenuntergang bereits mit einer Jacke gegen die Kälte schütze.
    Ich will gar nicht wissen, wie kalt’s dann im Winter wird. Gab’s da nicht so was wie Poolheizung??? Das wär ein Gag. Poolheizung in Paraguay. Ich glaub, die würden mich einsperren B)
    Bald geht’s wieder zurück in die Schweiz. Meine ersten langen Ferien gehen zu Ende. Es freut mich gar nicht, hier wegzugehen. Mir gefällt’s hier, ich hab den grössten Luxus den’s gibt: Zeit. Zeit um einfach durch die Stadt zu gehen, mich in ein lautes überfülltes Strassencafe zu setzen, die Heuschreckenschwärme von fliegenden Hänldern mit einem akzentfreien, No Gracas, abzuwimmeln und dem Treiben einfach zuzusehen. Zeit, um in die Hängematte zu liegen und den Kolibris im Garten zuzuschauen. Zeit ein Buch zu lesen, Zeit CSI am hellichten Nachmittag auf englisch mit spanischen Untertiteln zu schauen, Zeit, einfach auch nichts zu tun.
    Aber ich freue mich auch, meine Mutter und meine Tochter wiederzusehen. Mit meinen Freunden zusammen ein Bierchen zu trinken. Mal schauen, ob die noch wissen wer ich bin. Ich freue mich auch darauf, als Reisleiter Menschen aus allen Herren Länder herumführen zu dürfen. Ich freue auf die Euro und überhaupt.
    Eigentlich freue ich mich auf drei Monate Schweiz, auch wenn ich Paraguay und alle die Menschen hier vermissen werde.
    Eigentlich führe ich doch ein wunderbares Leben und ich geniesse es auch.
    Jemand neidisch???? So soll es sein.
    Eigentlich...... :)

  • Crash

    Wie gesagt, eigentlich macht’s Spass in Paraguay Auto zu fahren, eigentlich. Es gibt aber doch noch einiges, an das ich mich erst gewöhnen muss. Beispielsweise an die allgegenwärtigen Motorradfahrer.
    Motorrad ist ja zuviel gesagt, es sind so kleine, bis 150ccm grosse Taschengeldverdunster, die hier übeall rumkurven. Die elementaren Regeln des Motorradfahrerns, die mir beigebracht wurden, gelten hier zwar auch, aber wie mit allen Regeln und Gesetzen hier, es interessiert kaum jemand. Rücksichts- und Gedankenlos brettern sie durch den Verkehr, als ob die Welt allein ihnen gehörte. Dabei wäre doch Regel Nummer eins auf dem Motorrad :“Du bist der schwächere Verkehrsteilnehmer, ein Unfall ob verschuldet oder unverschuldet schmerzt Dich IMMER,“ die wichtigste überhaupt. Zynisch könnte man ja von natürlicher Selektion reden, wenn man die täglichen Unfallbilder in gewissen Zeitungen sieht, aber zum Zyniker reicht es mir noch nicht.
    Gestern war’s dann so weit, mein erster Crash!! Ich stehe mitten auf einer Quartierstrasse, Blinker wie gelernt links gestellt, ich will ja links abbiegen, Fuss auf der Bremse. Die zwei Autos die mir hier entgegenkommen fahren langsam, die Strasse besteht aus Kopfsteinpflaster, da fährt man langsam, mit Rücksicht auf’s Auto und den eigenen Geldbeutel. So warte ich eben, bis ich links abbiegen kann.
    Das zweite Auto ist noch knapp auf meiner Höhe als ich den Fuss von der Bremse löse. Mein Panzerchen setzt sich langsam in Bewegung und schon knallts. Bevor ich mich versehe, liegen links vor meiner Kühlerhaube eine Frau, ein Mann und ein Motorrad am Boden. Der ist doch tatsächlich ZWISCHEN mir und dem Gegenverkehr durchgefahren, obwohl ich hier, mitten in der Strasse gestanden bin, mit Blinker nach links. Rechts wäre alles frei gewesen. Ich kann die Türe nur mit Gewalt öffnen, er ist genau ins’s Scharnier gedonnert.
    So sind die beiden schon wieder auf den Füssen, bis ich es schaffe, das Auto zu verlassen. Ich kümmere mich erst mal um die Frau, die hat wenigstens einen Helm getragen. (Wäre in Paraguay eigentlich Vorschrift, aber eben.. siehe oben) Sie hält sich den Fuss, dort blutet es auch ein wenig, tröpfchenweise, aber ausser einer kaputten Sandale ist nichts passiert.
    Er steht sitzt schon wieder auf dem Motorrad und versucht es in Gang zu bringen. Das gelingt ihm auch, nur der Spiegel ist abgebrochen. Seine Hose, schätzungsweise ein Erbstück seines Urgrossvaters der noch im Drei-Allianzen-Krieg mit gefochten hat, ist bis zu den Knien aufgerissen. Gottseidank hat die Schnur, die er anstelle eines Gürtels trägt, gehalten so bleibt seine Hose um die Hüften. Kein Geld für Gürtel, aber Motorrad. :-/
    Mir fällt auch auf, dass das Motorrad ohne Nummer unterwegs ist, also nicht angemeldet, eventuell sogar geklaut. Trotzdem, ich bin der Ausländer und kann nicht unbedingt damit rechnen, von der Polizei geschützt zu werden. Er allerdings ist ebenfalls überhaupt nicht an der Präsenz der Polizei interessiert und will auf der Stelle 500‘000 PGY , etwas über 100 CHF. Zur Reparatur seines Motorrades wie er sagt. Sein Frau hat ihn überhaupt nicht interessiert. Raquel nimmt 200‘000 aus der Handtasche und sagt, mehr haben wir nicht dabei. Damit gibt er sich zufrieden und will weiterfahren. Nur seine Frau weigert sich wieder aufzusitzen, so schiebt er sein Motorrad und seine Frau wackelt, noch immer mit Helm auf, nebenher.
    Der Schaden an meinem Auto hält sich in Grenzen, eine Beule im Kotflügel und nach einigem Rütteln daran, öffnet und schliesst die Tür auch wieder wie normal. Nächste Woche werde ich das Teil ausbeulen lassen, die Kratzer unter Erfahrung abbuchen und in Zukunft halt eben auch in den Rückspiegel gucken, wenn eigentlich, aber eben nur eigentlich, nichts links von mir durchfahren könnte. Glimpflich abgelaufen, mein erster Crash und es zeigt mir, dass man im Paraguayanischen Verkehr mit allem Rechnen muss. Erwarte das Unerwartete.

  • Verkehrschaos

    Wenn man sich mal an die paraguayanische Fahrweise gewohnt hat, fährt es sich ausserordentlich einfach hier. Grundsätzlich gilt: wer zuletzt bremst, fährt als erster wieder weiter.
    Heute allerdings war in Asunción gar nichts mehr von der paraguayanischen Gelassenheit zu spüren. Die Nachrichten meldeten lakonisch, dass einige tausend Bauern in der Stadt demonstrierten. Zum 15. Mal übrigens. Was hilft’s, wenn man ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt in der Stadt unterwegs ist und nach Hause fahren will.
    Ich war unterwegs und die Demonstration fand natürlich auf meinem Heimweg statt.
    Die Polizei hat wie immer eine perfekte Umleitung organisert. Hä? Von was träumst Du nächtens?
    Die Polizei hat eingegriffen, als die Lage schon mehr oder weniger ausser Kontrolle geraten ist. Mindestens sagt das der TV Sprecher. Ich hab keine gesehen.
    Die Bus- und Lastwagenfahrer kümmern sich schon im Normalfall kaum um Verkehrsregeln. Ausnahmesituationen rufen also bei ihnen auch Ausnahmereaktionen hervor.
    Einbahnstrasse,??? Nicht heute.
    Vorfahrt?? Die Busse natürlich.
    Wild hupend und sich um gar keine Verkehrsregeln kümmernd, versuchen sie, dem Stau, den sie hauptsächlich mitverursachen zu entfliehen. Auf einspurigen Strassen, finden bequem zwei dieser Busse platz. Logisch, dass der Rechtsfahrende bei der nächsten Kreuzung links abbiegen will. Dieses wäre zwar eine Einbahnstrasse, der Bus also im Gegenverkehr, aber eben, auf der anderen Seite steht zuvorderst ja nur der kleine, unschuldige Schweizer, der eigentlich nur nach Hause will. Und, der das ganze Chaos gelassen nimmt. Im klimatisierten Auto, im Ruhestand, nichts zu hetzen.

    Klimatisiert?? DAS war’s doch was ich schon seit vorgestern hätte tun müssen, TANKEN.

    Ein kleines rotes Lämpchen auf meinem Armaturenbrett zeigt mir an, dass es höchste Zeit wäre, dem Auto was zu trinken anzubieten. Nur wie??? Vor mir steht ein Bus, der unbedingt die Einbahnstrasse in die falsche Richtung fahren will und hinter mir drängeln sie sich zu dritt nebeneinander auf einer einspurigen Strasse. Neben mir übrigens auch. Die einzige Möglichkeit dem Hupkonzert zu entfliehen ist das Radio lauter zu stellen. Warum der Bus auch unbedingt die Einbahnstrasse in verkehrter Richtung fahren wollte, bleibt das ewige Geheimnis seines Fahrers. Die Handzeichen die ich im gegeben habe, liessen absolut keinen Zweifel übrig. Hier kommst Du nicht durch, Punkt (Vornehm ausgedrückt)
    Auf meiner Seite wartete ich jetzt eher ungeduldig darauf, dass sich mir auch eine Lücke öffnen möge und ich auf irgendeine Weise eine Tankstelle aufsuchen könnte. Dabei hat mir ausgerechnet der rüpelhafte Buschauffeur geholfen. Er sah ein, dass er nicht einfach über mein zwei Tonnen Auto hinwgfahren kann, ebensoweng über diejenigen hinter mir, also bahnte er sich seinen Weg weiterhin auf seiner schon verstopften Strasse.
    Bei mir ging’s dann nach einigen Minuten weiter, allerdings nur kurzzeitlich. Paraguayos sind sehr erfindungsreich. Wo sich eine Lücke öffnet, in der Verkehr HINTEREINANDER gut abfliessen könnte, verstopfen sie den Flaschenhals schnurstracks wieder mit drei oder vier Fahrzeugen, in denen Leute sitzen die unbedingt erster in der Kolonne sein wollen. Der einzige der’s wirklich eilig hat bin ich. Schliesslich habe ich bald keinen Sprit mehr und in diesem Chaos ohne Diesel liegen zu bleiben......... Ich will ja nicht unangenehm auffallen.
    Ach ja, Polizei. Es war 11 Uhr morgens und drückende 36° heiss. Da kann man der Polizei also doch die wohlverdiente Tereré Pause gönnen. Speziell, wo doch alle irgendwie weiterkommen. Auch ich. Irgendwie ist’s ja gut gegangen, ich habe eine Tankstelle gefunden und 69.76 Liter Diesel in einen 70 Litertank gefüllt. Also, kein Grund zur Beunruhigung. Nach Hause hab ich auch gefunden und das sogar püktlich bevor es zu regnen begann.
    Der TV Sprecher übrigens gibt im Augenblick gerade Unwetterwarnung für weite Teile Südparaguays durch. In Asunción erwartet man „nur“ Gewittersürme. Mit einem Schlauchboot sollten die Strassen auch weiterhin befahrbar bleiben.

  • Heimwerkerkönig Teil 2

    Zum Haus das ich miete gehört bekanntlich ja auch ein kleiner Patio. Das ist so ein Innenhof, wo man seine Ruhe haben kann, wenn man will. Es ist mein Lieblings Aufenthaltsort, so grad neben dem Pool in der Hängematte.
    Von Zeit zu Zeit allerdings, gehört auch der Rasen gemäht. Dazu hab ich mir schon vor einiger Zeit eine kleine Maschine angeschafft. Ein sogenannter Borderschneider, der zwar nur den Rand schneiden soll, aber für so ein klitzekleines Ding von Rasen das hier herumliegt, reicht der allemal.
    Das Maschinchen schneidet mit einem Nylonkabelchen, das in hoher Geschwindigkeit rotiert. Schon seit längerem allerdings, guckt aus dem Rotierkopf nur noch so ein ca 3 cm langer Rest von grünem Nylon hervor. Hier in Paraguay lösen sich ja viele Probleme mit warten, aber dieser Draht wollte einfach nicht mehr wachsen, also muss ein Neuer her.
    Fachmänisch, das heisst, ohne mich zu verletzen, hab ich den Rotierkopf aus der Maschine entfernt und bin damit auf die Suche nach Nylon gegangen. Wo sucht man am besten Ersatzteile für Rasenmäher? Klar im Landwirtschafts- und Gartenshop. Nichts wie hin und im dritten Anlauf war das Geschäft sogar geöffnet.
    -Ersatzdraht??? Nein, führen wir nicht, aber Du könntest ja eine dieser grossen Scheren kaufen.-
    -Hab ich schon, womit glaubst Du hab ich die letzte Zeit meinen Rasen geschnitten? Und woher kommt mein Hexenschuss?? Sicher nicht vom Bier-.
    Damit wäre auch das geklärt.
    Der nette Verkäufer gibt mir allerdings eine Adresse, wo ich alles im Zusammenhang mit Landschaftspflege kaufen könne. Gar nicht so weit weg, also los. Dort angekommen zeige ich erst mal meinen Rotierkopf.
    -No señor, solche Kleinigkeiten führen wir hier nicht-
    Ich schau mich um und tatsächlich, es gibt Solarzellen, Traktorzubehör und ich weiss nicht was, aber keinen Nylondraht.
    -Unsere Kunden kommen meist aus dem Chaco und ihre Patios sind meist von der Grösse einer Hektare!!-
    Grrrrrrrrrr. Das hilft enorm weiter. Was jetzt?? Mal was ungewöhnliches versuchen? Also, Hirn einschalten. Wo hast Du das Teil her??? NGO. (Das ist so ne Vertriebsfirma, wie Otto Versand) Also, anrufen.
    -Aber natürlich haben wir diese Ersatzteile, Avenida Artigas, Esquina Repúbilca Dominicana-
    Gott bin ich schon lange da, ich weiss sogar wo das ist. Und schau an, man verkauft mir innert 2 Minuten 2 dieser Spuhlen zu je 10‘000.—PGY. (CHF 2.50. Ich will gar nicht über den Dieselverbrauch nachdenken) Hirn aus und zurück.
    Zuhause angekommen schau ich mir diesen Rotierkopf nochmals genauer an. Mit dem Ersatzteil daneben kommt mir die Idee, dass diese Spuhle eventuell noch mehr als nur die paar fehlenden Zentimeterchen haben könnte. Es gelingt mir sogar, die Spuhle aufzumachen und siehe da: TRARAAAA, Ich hätte nur hier öffnen und den Nylondraht ein wenig mehr herausziehen müssen.

    2 Neue Nylonspuhlen; 20‘000 Guaranies
    Die Stadt ein bisschen besser kennengelernt; Ein paar Liter Diesel
    Wenn man über sich selbst lachen kann; Unbezahlbar.

    PS. Rasenmähen macht wieder richtig Spass.

  • Besuch und Ostern

    Die letzte Woche hatten wir Besuch, so richtig angenehme Zeitgenossen und gute Freunde. Wir hatten viel Spass gehabt miteinander, die Zeit ist wie im Flug vergangen. Zum ersten Mal seit ich weiss nicht wie lange, waren wir auch wieder mal im Ausgang. Es gibt viele gute Restaurants hier in Asunción, wir waren im Weissen Hirsch. Nein, kein Österreicherlokal, das ist nur die Übersetzung des Namens. Ciervo Blanco ist ein sehr bekanntes Restaurant hier. Man isst ausgezeichnet, daneben bietet das Restaurant auch jeden Abend Shows und Unterhaltung an. An diesem Tag waren drei Gruppen im Programm. Zuerst ein Harfist und ein Gitarrist der Sonderklasse. Ebenfalls innhalb dieser Show waren original Paraguayanische Tänze, so zum Beispiel der Flaschentanz. Nein, ich musste nicht auf die Bühne!! Ein Mädchen jongliert vier grosse Flaschen auf dem Kopf und tanzt dazu. Danach eine Gruppe die Hits und Rock aus dem 80er und 90er Jahren vortrug. Die Sängerin fiel ein wenig ab, aber ansonsten auch sehr gut.
    Zum Schluss eine Gruppe die sich Perfil nennt. Der Sänger sieht zwar aus wie ein Tropfen vor dem Zerplatzen, aber er hat eine göttliche Stimme. Überhaupt, zeitweise meinte man, Il Divo auf der Bühne zu hören. Wir haben uns eine CD gekauft und hören die auch zuhause.
    Alles in allem, ein gelungener Abend (bis 0230), wir hatten alle unseren Spass.

    Den ersten Abend ohne Gäste haben Raquel und ich genutzt, um mal in's Kino zu gehen. Der Film: Die Liebe in Zeiten der Cholera. Nach dem Buch vomn Gabriel García Márquez. Für mich die schönste Liebesgeschichte in Buchform überhaupt. Natürlich kommt der Film nicht annähernd an die Wortkraft des Buches heran, aber es war ein gelungenes Werk mit Musik von Shakira. Die meisten Schauspieler waren ebenfalls Kolumbianer, drum war's für mich ein wenig befremdend, dass alle englisch gesprochen haben. Mit mehr oder weniger starkem spanischen Akzent, aber englisch. Die Amerikaner werden diesem Film ja wohl nie zu sehen bekommen, es fehlt erstens an genügend Blut und Toten und zweitens sieht man doch ein oder zweimal einen nackten Busen. Für die bigotten Amerikaner ein oder zweimal zuviel.

    Die Überraschung aber doch eher nach dem Film. So gegen 2230 kamen wir aus dem Kino und entgegen allen deutschsprachigen Propheten im Land, unser Auto wartete unberührt an derselben Stelle wo wir es hingestellt hatten. Nichts geklaut, noch nicht mal die Zusatzscheinwerfer, kein Rad weg, einfach noch da. Und dann sagen diese Spezialisten, nach Einbruch der Dunkelheit solle man nicht mehr auf Strasse.

    Zu Ostern war natürlich toda la familia wieder bei uns zuhause. Karfreitag gabs Fisch aus dem Ofen und am Samstag dann Fleisch, auch aus dem Ofen, weil zu bratbeginn mal wieder so ein reinigendes und kräftiges Gewitter über der Stadt losbrach. Aber auch so, der letzte Satz an diesem Abend: Ab Morgen gibt's Diät :D

    Heute, Ostermontag, ist ein ganz normaler Arbeitstag hier in Paraguay. Während man in der Schweiz also Schnee schippt, müssen hier alle wieder in den Stollen.
    Ausser ich, ich mach erst mal Pause

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